Berichte

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Frauenhaus Osnabrück – ein guter Ort für Frauen und Kinder

 

 

Bramscher „Landfrauen zeigen Flagge“

 

Frau Märkl als stellvertretende Bürgermeisterin begrüßte zu Beginn die über 50 Bramscher Landfrauen und Gäste, sowie Sabine Strotmann und Esther Bierbaum vom Frauenhaus in Osnabrück. Vom Vorstand der Bramscher Landfrauen bedankte sich Annegret Westermann für die entgegengebrachte Gastfreundschaft und die Bereitstellung des Sitzungsraumes für die Veranstaltung. Entsprechend dem Logo „Landfrauen zeigen Flagge“ ermahnte Annegret Westermann die Anwesenden, sich für Toleranz gegenüber Frauen einzusetzen und in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit für Frauen in Not zu erregen. Maria Stuckenberg als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bramsche wies auf den internationalen Tag für Gewalt gegen Frauen am 23. November hin.

 

Sabine Strotmann und Esther Bierbaum stellten zunächst das autonome Frauenhaus Osnabrück vor. Es entstand 1981, als ein Verein von 12 Frauen mit der Stadt Osnabrück einen Vertrag schloss über die Einrichtung eines Frauenhauses. Seit fast 40 Jahren funktioniert die Zusammenarbeit mit der Stadt gut. Das Frauenhaus Osnabrück verwaltet sich selbst. Hauptsächlich wird das Haus von der Stadt Osnabrück finanziert. Weitere Unterstützung erhält es vom Land Niedersachsen. Vieles im Bereich der Ausstattung und Lernmitteln wird durch Spenden finanziert. Für neue Möbel z. B. lehnt die Stadt ihre finanzielle Unterstützung ab, weil sie keinen Zutritt zum Haus hat. Die Mitarbeiterinnen halten aber eine freundliche Atmosphäre im Haus zur Unterstützung ihrer Arbeit für wichtig.

 

Das Frauenhaus hat 30 Plätze für Frauen und Kinder. Daneben gibt es drei Dreizimmerwohnungen und Büroräume. Kommt eine Frau ins Frauenhaus, muss sie eigenständig leben und selbst für ihre Kinder sorgen. Ihr Aufenthalt ist zeitlich begrenzt. Das Haus bietet den Frauen unabhängig von ihrer Herkunft Schutz. Die Frauen äußern ihre Wünsche, damit sie optimal unterstützt werden können von den vier Mitarbeiterinnen, die vorwiegend für Frauen zuständig sind. „Die Frauen sind unsere Auftraggeberinnen“, berichtet Sabine Strotmann. Sie bestimmen, wie und wie lange sie Schutz in Anspruch nehmen. Wenn der Schutz im Haus nicht ausreicht oder die Bettenkapazität erschöpft ist, müssen die Frauen in einem anderen Haus untergebracht werden. Die dabei auftretenden Schwierigkeiten wie fehlendes Einkommen, viele Kinder oder Migrationshintergrund müssen dann von den Mitarbeiterinnen bewältigt werden. Es fehlen in Deutschland im Übrigen 7000 Betten in Frauenhäusern, im Landkreis Osnabrück sind es 98 Betten.

 

Die erste Kontaktaufnahme geschieht fast immer per Telefon. Wenn im Haus selbst kein Platz frei ist, werden Telefonate mit Häusern in der Nähe geführt. Für NRW gibt es im Netz eine Homepage LAG - Frauen – Info – Netz gegen Gewalt. Sie enthält eine Landkarte mit Städten, in denen es Frauenhäuser gibt: ein rotes Symbol bedeutet ein besetztes Frauenhaus, ein grünes Symbol weist auf freie Plätze hin. Mit einem Klick auf das Symbol erhält die schutzsuchende Frau die Telefonnummer des Hauses. So etwas ist für das Land Niedersachsen auch in Arbeit, denn es erleichtert hilfesuchenden Frauen erste Schritte. Von den 57 Frauen, die im letzten Jahr im Frauenhaus Schutz gesucht haben, sind nur zwei in die eigene Wohnung zurückgegangen. Die langjährigen Mitarbeiterinnen beobachten, dass der Rückgang in die eigene Wohnung im Laufe der Jahre kontinuierlich abgenommen hat. Sicherlich ist das ein Zeichen für wachsendes Selbstbewusstsein der Frauen und gute Unterstützung durch die Frauenhäuser.

 

Während Sabine Strotmann den Schwerpunkt ihrer Ausführungen auf die Situation der Frauen legte, stellte Ester Bierbaum die Kinder in den Vordergrund. Das Alter der Kinder, die ins Haus kommen, reicht von null bis achtzehn Jahre. Die jüngeren Kinder schlafen mit der Mutter in einem Zimmer. Kinder über vierzehn Jahre bekommen ein Einzelzimmer, wenn vorhanden. In fußläufiger Nähe zum Frauenhaus gibt es in Osnabrück ein Kinderhaus. Die Kinder werden in zwei Gruppen eingeteilt. Die Kleineren im Kindergartenalter gehen morgens auf freiwilliger Basis ins Kinderhaus zum Spielen und können dort das Erlebte im Spiel verarbeiten. Die größeren schulpflichtigen Kinder halten sich nachmittags freiwillig dort auf. Sie verarbeiten Erlebtes häufig durch Erzählen. Sie haben dort alle Freiheiten, dürfen aber nicht körperlich aggressiv sein. Die Mitarbeiterinnen versuchen, ihnen Halt zu geben und ihnen klare Strukturen zu vermitteln. „Kinder empfinden das selbst, was der Mutter passiert ist. Sie fühlen sich oft schuldig, wenn die Mutter geschlagen wird“, erläutert Esther Bierbaum. Mutter und Kind werden beraten und gestärkt, denn der Bruch mit dem bisherigen Leben erfolgt plötzlich. Es ist schwer, damit fertig zu werden, angesichts der Schwierigkeiten, die sie in naher Zukunft bewältigen müssen.

 

Die Zukunft von Frauen und Kindern im Frauenhaus birgt außerdem ein riesiges Datenschutzproblem. Es ergibt sich bei Unterhaltsforderungen von Seiten des Amtes an die Väter. Die Forderungsschreiben gehen zwar mit sechs Wochen Verspätung heraus, aber der Vater weiß dann, in welcher Stadt die Mutter mit den Kindern lebt. Eine Frau mit Kindern ist in Deutschland also nicht datengeschützt. Ein weiteres Problem ergibt sich, wenn der Vater seine Kinder sehen will und kein Umgangsausschluss vorliegt.

 

Zum Schluss bedankte sich Annegret Westermann bei den beiden Mitarbeiterinnen für die umfangreiche Information über ihre verantwortungsvolle und problembelastete Arbeit im autonomen Frauenhaus Osnabrück.

 


Dekorations-Objekte aus Wickeldraht

 

Bramscher Landfrauen gebrauchen kräftige Hände

Unter Anleitung von Heike Bohle aus Melle stellten die Landfrauen Kugeln, Blüten, Blätter und Gefäße aus Wickeldraht her. Die Floristenmeisterin aus Melle hat auf einer Fortbildung den ganz einfachen Wickeldraht für sich als Gestaltungsmaterial entdeckt. Sie ergänzt die Objekte gerne mit Hölzern oder Gläsern. Da der Wickeldraht beliebig formbar ist, kann er durchgängig saisonal eingesetzt werden, z, B. für Eiformen oder Sternformen. Heike Bohle achtet bei ihren Gestaltungshinweisen auf die Natürlichkeit des verwendeten Materials.

 

Was unverzichtbar ist, sind starke Hände, die den Draht in die gewünschte Form bringen. Dazu wird zunächst viel Draht abgewickelt und daraus ein Drahtgewirr hergestellt. Dabei wird grob auf die Größe und den Rand geachtet, je nachdem, was daraus entstehen soll: ein ovales Blatt, ein rundes Blütenblatt oder ein rundes Gefäß. Erst danach erhält das Objekt seine endgültige Form unter Einsatz von viel Kraft in den Händen. So entsteht z. B. in Kombination von Blüten und Blättern mit einem kräftigen Korkenzieherhaselzweig ein schönes Dekorationsobjekt, das besonders gut vor einem hellen und ruhigen Hintergrund zur Geltung kommt. Ein Windlichtglas in einem Korb aus Wickeldraht ist ebenfalls hübsch anzusehen.

 

Foto: LandFrauen Bramsche

 


Das Duell der Felder

 

"Wie aus einem Jux eine Idee wurde und alle etwas gelernt haben"

Bericht Dr. Sigrid Schüler für die Bramscher Nachrichten

 

ssj Engter. Können Journalisten, die über Landwirtschaft berichten, Kartoffeln anbauen? Und können Landwirte eine Zeitung machen? Diese Fragen stellte sich Lars Reckermann, Chefredakteur der Nordwest-Zeitung (NWZ), als er vor drei Jahren über einen „Tag des offenen Hofes“ berichten wollte. Über einen Jux, der zur Idee wurde und dann schließlich zu einem „Duell der Felder“ berichtete Reckermann am vergangenen Dienstagabend auf einer Veranstaltung der Landfrauen Bramsche in Engter.

 

 

 

Ein junger Landwirt von den „Junglandwirten Oldenburg“ hatte dem Chefredakteur mit den Worten „Ihr habt sowieso keine Ahnung“ klipp und klar Kenntnis über Landwirtschaft abgesprochen und außerdem die Ansicht vertreten, so schwer könne es doch wohl nicht sein, ein bisschen für eine Zeitung zu schreiben. Das sei locker daher gesagt gewesen, so Reckermann, und genauso locker habe er selbst behauptet, dass er selbstverständlich in der Lage sei, eine Feldfrucht anzubauen.

 

 

 

Ein Scherz also. Lars Reckermann nahm aber die Äußerung des Junglandwirts als Herausforderung. Es wurde ein Wettstreit daraus, den die Junglandwirte gegen das Journalistenteam der NWZ austragen wollten. Ein zwei Hektar großes Feld wurde je zu Hälfte von den Journalisten und den Junglandwirten bestellt und am Ende Bilanz gezogen. Im Gegenzug sollten sich die Junglandwirte einen Tag lang als Redakteure behaupten und die Zeitung „machen“.

 

 

 

Sehr humorvoll schilderte Reckermann in seinem Vortrag, wie naiv er selbst an die Aufgabe herangegangen sei. Wie muss der Ackerboden vorbereitet werden? Wie kommen die Kartoffeln in die Erde? Wo und wie lagert man das Erntegut? All das seien Fragen gewesen, zu denen er sich vorab zu wenig Gedanken gemacht habe. Mit viel Enthusiasmus und Improvisation arbeitete er die  Aufgaben mit Unterstützung seiner Kollegen ab. Beim Düngen und beim Pflanzenschutz brauchte Reckermann allerdings die Unterstützung von Fachleute, da er selbst nicht den „Sachkundenachweis Pflanzenschutz“, den er für diese Maßnahmen braucht, vorweisen kann.

 

 

 

Aber: Ein eklatanter Fehler sei gewesen, den Kartoffelkäfer zu unterschätzen, gestand er. „Was macht schon so ein Käfer?“, habe er sich gesagt. Der Befall sei aber dann massiv gewesen, und ins benachbarte Feld der Junglandwirte seien die Tiere leider nicht abgewandert, denn die hatten ihre Pflanzen durch eine Behandlung geschützt. Den richtigen Termin zur Behandlung der Krautfäule habe er auch verpasst. Das habe sich natürlich auf den Ertrag ausgewirkt. Am Ende hatten die Journalisten 46,5 Tonnen Kartoffeln geerntet, die Junglandwirte 68,5 Tonnen. Nach Berechnung der  Kosten für Arbeitsstunden, Bodenbestellung und Pflanzenschutz habe er feststellen müssen, dass er, wäre der Kartoffelanbau sein Broterwerb, mit 3344 Euro Verlust ruiniert gewesen wäre. Die Junglandwirte mussten immerhin noch von ein Minus 388 Euro verbuchen.

 

 

 

Obwohl er das Duell auf dem Feld verloren hat, ist Reckermanns Fazit positiv. Das eigentliche Ergebnis sei, dass er Hochachtung vor Mutter Natur bekommen habe. „Ich habe noch nie um Regen gebetet, aber dann...“ fügte er hinzu. Außerdem habe er Respekt vor den Menschen, die, ohne mit festem Geld rechnen zu können, ihren Lebensunterhalt verdienen. Und: Die Begegnung habe neue Freundschaften gebracht. Seit der Aktion habe er übrigens immer Gummistiefel im Auto, erklärte er schmunzelnd.

 

 

 

Das „Duell der Felder“ hat die NWZ mit vielen Videos auf der Plattform youtube begleitet. Dort kann man sehen, mit wie viel Humor und Selbstironie der Redakteur und seine Kollegen die Aufgabe gemeistert haben. Die Zeitung habe von dem Format profitiert, so Reckermann. Es werde jetzt mehr über Landwirtschaft berichtet, und unterschiedliche Meinungen werden gegenübergestellt.

 

 

 

Und wie haben sich die Junglandwirte bei ihrer Arbeit in der Redaktion der NWZ bewährt? Reckermann berichtete, dass sie die Zeit, die man für das Schreiben braucht, unterschätzt hatten. Die geplanten Seiten seien jedenfalls nicht pünktlich fertig geworden, und auch die Beiträge seien zu knapp formuliert gewesen. Ein Bericht über die Begegnung mit einem politischen Vertreter in Hannover könne eben nicht mit „Es war alles sehr aufregend“ beschrieben werden. Die jungen Schreiber hätten schließlich begriffen, dass zur Zeitung mehr gehört als einfach ein bisschen zu schreiben.

 

 

 

Alles in allem haben die Beteiligten von dem Rollentausch profitiert. Sie seien miteinander ins Gespräch gekommen, hätten voneinander gelernt und Verständnis füreinander entwickelt, so Reckermann. Und das sei etwas, wovon die Debattierkultur in Deutschland profitieren könne.

 

 

 

 

 

Foto: Lars Reckermann, Chefredakteur der Nordwest-Zeitung, sprach bei den Landfrauen Bramsche über das „Duell der Felder“

 


„Die Tänzerin von Auschwitz“

 

Bramscher Landfrauen besuchten die Ausstellung in St. Katharinen in Osnabrück

 

Pastor Otto Wegmann erzählte zunächst die Entstehungsgeschichte des Buches von Paul Glaser mit obigem Titel über das Leben seiner Tante Roosje Glaser. Der Autor fand nach dem Tode seiner Großmutter 50 Briefe, die Roosje aus dem KZ Auschwitz an ihre Mutter geschrieben hatte. Sein Vater, Roosjes Bruder, bestätigte die Angaben in den Briefen. Daraufhin besuchte Paul seine mittlerweile in Schweden lebende Tante, die ihm nach anfänglichem Zögern ihre Tagebücher und ehemals in Nijmegen in den Niederlanden vor ihrer Deportation vergrabenes Filmmaterial zur Verfügung stellte. Auf einer Reise nach Krakau besuchte Paul das ehemalige KZ Auschwitz. Besonders beeindruckt hatten ihn die Berge von u. a. Brillen, Schuhen und Koffern, die die ehemaligen KZ-Insassen abgeben mussten. Auf einem der Koffer entdeckte er seinen Familiennamen Glaser. Das war der Anlass zum Schreiben des Buches über seine Tante Roosje.

 

Roosje Glaser kam 1914 in Nijmegen in den Niederlanden als Tochter eines Margarinegroßhändlers  zur Welt. Als selbstbewusste junge Frau liebte sie das Tanzen. Mit ihrem Mann Leo eröffnete sie eine Tanzschule, die sie einige Jahre führten. Inzwischen erlangte die nationalsozialistische Bewegung auch in den Niederlanden immer größere Bedeutung und gewann immer mehr Anhänger. Roosje weigerte sich, einen Judenstern zu tragen. Sie musste die Tanzschule aufgeben, unterrichtete aber auf Dachböden oder in Parks weiter. Sie handelte sich durch ihre Unbeugsamkeit (Roosje: „Ich bin kein Problem, ich bin ein Mensch“) so viel Unmut ein, dass ihr Mann sie an die Behörden verriet. Sie wurde nach Auschwitz deportiert. Zuvor hatte sie einer Freundin Geld gegeben, damit diese ihr Lebensmittel und Kleidung ins KZ schicken konnte.

 

Auch dort hat Roosje das Tanzen nie aufgegeben. Sie hat sich um Arbeit bemüht, um den medizinischen Versuchen und der Gaskammer zu entkommen. Roosje selbst wurde sterilisiert und hat in der Munitionsfabrik gearbeitet. Mit einem NS-Mann begann sie ein Verhältnis, um zu überleben. Selbst den Todesmarsch nach Bergen-Belsen hat sie lebend überstanden. Nach Kriegsende gab Roosje sich den Alliierten gegenüber als Dänin aus und ist nach Dänemark gekommen. Sie heiratete einen Schweden und hat bis zu ihren Tode im Jahre 2002 in Stockholm gelebt. Alle Erniedrigungen und Ungerechtigkeiten haben ihren Lebensmut nicht brechen können, wobei ihre Freude am Tanzen und die damit verbundene positive Lebenseinstellung wohl eine große Hilfe waren, was sich auch in den in der Ausstellung gezeigten Bilddokumenten widerspiegelt. Die Ausstellung in der Katharinenkirche in Osnabrück ist noch bis zum 25. August geöffnet, Mo.-Fr. 10.30-16.30 Uhr, Sa. 11-12.30 Uhr, So. 14.30-16.30 Uhr. Ziel der erstmals gezeigten Ausstellung über das Leben der unbeugsamen Jüdin Roosje ist, über das Geschehene zu informieren und die Augen zu öffnen für die Zunahme an Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus in der heutigen Gesellschaft verbunden mit dem Auftrag, als Zweitzeugen gegenzusteuern.

 

Bramscher Landfrauen besuchen die Heideblüte im Gehn

 

Zwischen den Schnapszahlen 08.08. und 09.09. blüht die Heide nicht nur am Wilseder Berg in der Lüneburger Heide! Zur Heidefläche im Gehn wollten die Bramscher Landfrauen eigentlich mit dem Fahrrad von Hesepe aus durch den Balkumer Windpark nach Ueffeln fahren. Wegen der unsicheren Wetterlage entschloss sich Helmut Knufmann kurzfristig, die 20 Landfrauen mit seinem Trecker und Planwagen fast bis dorthin zu bringen. Das letzte Stück legten die Landfrauen zu Fuß auf einem mit Felssteinen gepflasterten Wirtschaftsweg zurück und gelangten zu dem heidebewachsenen Abhang im Südwesten des Gehns. Trotz der großen Trockenheit in diesem Sommer steht der überwiegende Teil der genügsamen Heide in voller Blüte und wird mit dem felsigen Untergrund gut fertig. Im letzten Jahrhundert wurde der Hang als Segelflugplatz genutzt und deshalb von Bäumen freigehalten. Die Segelflieger konnten dann den Wind aus Südwesten und den Aufwind am Hang ungehindert zum Starten nutzen. Heute ist die Heidefläche ein Naturdenkmal und wird gepflegt: Birken und Farn werden kurz gehalten, damit sich die Heide ausbreiten kann. Oben auf dem Berg genossen die Landfrauen einen weiten Blick über das Land auf das südlich gelegene Wiehengebirge und ein paar markante Punkte wie das Kohlekraftwerk in Ibbenbüren und die Windräder auf dem Piesberg.

 


Herstellen von Fliegenpilzen

 

Bramscher Landfrauen erweisen sich als geschickte Betonarbeiterinnen

 


Mehrtägige Radreise an der Mittelmosel

 

 

Am Montag, dem 01. 07. 2019 starteten die 31 Teilnehmer(innen) mit ihren Fahrrädern per Bus in Richtung Moseltal. Durch das landschaftlich schöne Gebiet südlich von Bonn fuhr die Reisegruppe in Schweich über die Mosel und erreichte auf dem rechten Moselufer in Mehring den Ausgangspunkt der ersten Tagestour mit dem Rad. Bei strahlendem Sonnenschein passierten die Landfrauen Leiwen und Trittenheim und kamen nach Neumagen-Dhron, dem ältesten Weinort Deutschlands. Als Beleg dafür dient u. a. das Neumagener Weinschiff, das ursprünglich als Grabplatte aus Stein diente. Das Relief rundherum zeigt ein antikes Schiff, das von 42 Ruderern bewegt wurde. Ein hölzerner Nachbau des Weinschiffes liegt im Hafen des Ortes und kann gechartert werden. Auf einem beschilderten Rundweg können interessierte Besucher Informationen entlang eines spätantiken Kastells erhalten, von dem allerdings außer Turmresten an einer Stelle keine sichtbaren Objekte mehr vorhanden sind. Das Kastell entwickelte sich im 1. Jahrhundert nach Christus aus einer Straßenstation an der Fernstraße Trier-Bingen-Mainz.

 

Vorbei an Piesport und vielen Weinbergen erreichten die Landfrauen Bernkastel-Kues, die „internationale Stadt der Rebe und des Weines“. Dieser Ort ist das Weinbauzentrum an der Mittelmosel, denn es entfallen 65% des Mosel-Weinbaus auf diesen Bereich. Überragt wird der Ort von der Burgruine Landshut. Hier endete am ersten Tag die Radtour nach geradelten 43km. Der Rest des Weges zum Hotel in Ellenz wurde mit dem Bus zurückgelegt. Während der Busfahrt informierte der Reiseführer vor Ort , Georg Ebeling,  die Bramscher Landfrauen über Wissenswertes zum Weinbau in Deutschland. An der Mosel wächst zu 67% Weißwein und zu 33% Rotwein, meistens auf Steillagen. Dadurch ist der Einsatz von Maschinen kaum möglich, was den Wein durch die hohe Zahl an Arbeitsstunden teuer macht. Ein Weinstock liefert im Jahr 1,5 – 2 Flaschen Wein. Es gibt zwei Pflanzarten: Die Einzelpfahlpflanzung und die Reihenpflanzung an Spanndraht. Alle deutschen Weinbaugebiete umfassen 100 000 ha. Die Qualität ist Spitze, die Menge allerdings gering. Alle deutschen Weinbaugebiete zusammen liefern nur 2% der Weltproduktion, und das entspricht 4% der europäischen Produktion.

 

Die Menschen an der Mosel leben vom Weinbau und dem Fremdenverkehr. Eine Industrie ist nicht vorhanden. Unter anderem wegen der harten Arbeit im Weinberg geben viele Weinbauern auf, so dass brachliegende Flächen entstehen. Diese Brachen werden häufig zu Obstwiesen, die vor allem mit Weinberg-Pfirsichbäumen bepflanzt werden. Roh sind Weinbergpfirsiche zwar ungenießbar, aus den Früchten aber  kann Likör und Marmelade hergestellt werden. Die Lagen der Weinberge haben Namen, die in großen weißen Lettern an den Hängen zu lesen sind, wie z. B. „ZELLER SCHWARZE KATZ“ oder „BREMMER CALMONT“, der übrigens der zweit steilste Weinberg der Welt ist.

 

Georg Ebeling wusste auch einiges über die Mosel zu berichten. 1964 beschlossen Frankreichs Staatspräsident Charles De Gaulle , Erzherzogin Charlotte von Luxemburg und Bundespräsident Heinrich Lübke, den 500km langen Fluss schiffbar zu machen. Das erforderte den Bau von Staustufen und Schleusen. In nur sechs Jahren wurden in Frankreich 16, im Großherzogtum Luxemburg 6 und in Deutschland 10 dieser Bauwerke fertig gestellt. Da in Deutschland auf der Mosel Fahrgastschiffe vor der Berufsschifffahrt Vorfahrt haben und der Personenverkehr enorm zugenommen hat auf bis zu   10 000 Flussreiseschiffe pro Jahr, müssen die Schleusen um eine Kammer erweitert werden.

 

Am 2. Tag nutzte Georg Ebeling die Busfahrt vom Hotel zum Anfangspunkt der Radtour für weitere Informationen über den Fluss und den Weinanbau. Mit normalem Hochwasser werden die Bewohner des Moseltals fertig. In dem Bereich, der überflutet werden könnte, stehen keine elektrischen Geräte oder sonstige wertvolle Dinge. Sollte die Mosel über die Ufer treten, muss sofort nach Ablauf des Wassers der noch feuchte Schlamm abgespritzt werden. Dann ist der entstehende Schaden am geringsten, denn der trockene Schlamm ist steinhart und lässt sich kaum entfernen.

 

Wer an der Mosel einen neuen Weinberg anlegen möchte, zahlt für eine Pflanze 1,50€ - 2€ und kommt für einen neuen Weinberg auf über 10 000€. Bis dieser Ertrag bringt, dauert es 3 bis 4 Jahre. An der Mosel werden die Pflanzen in einem Weinberg alle 25 bis 30 Jahre des besseren Ertrages wegen erneuert, obwohl ein Weinstock 50 bis60 Jahre alt werden kann. Ihre Wurzeln ragen 12m bis 15m in den Boden hinein. Eine besondere Behandlung des Bodens für eine Neupflanzung ist nicht erforderlich. Unten an den jungen Pflanzen sieht man häufig Tetra-Packs um den Stamm, die vor Wildfraß schützen sollen und als Fehldrucke von der Industrie günstig an die Winzer abgegeben werden.

 

Am Dienstag, dem 02. 07. radelten die Bramscher Landfrauen von Traben-Trarbach bis zum Hotel in Ellenz. Die 49km lange Tour auf dem Moselradweg mit kurzer Pause in Zell fand wieder bei wunderschönem Sommerwetter statt. Die zweite Pause legte die Gruppe in Beilstein kurz vor Ende der Radtour ein und ermöglichte ein paar Fotos von diesem kleinen Ort, der nur etwa 100 Einwohner hat, aber von über 10 000 Gästen im Jahr besucht wird. Das Schloss in Beilstein ist heute ein Hotel und überragt wird der Ort von der Burg Metternich. Mit der Seilfähre setzte die Gruppe über und kam wohlbehalten im Hotel an.

 

Am Mittwoch, dem 03. 07. war die Radel-Etappe wegen des Abendprogramms kürzer und verlief von Ellenz über Cochem nach Alken. Überragt wird Cochem von der Reichsburg. Sie wurde restauriert und zeitweise auch bewohnt von Louis Frederic Jaques Ravené, einem Berliner Kaufmann, der den Kaiser-Wilhelm-Eisenbahntunnel erbaut hat zwischen Cochem und Ediger-Eller. Dadurch verkürzte sich die Strecke an der Mosel zwischen diesen beiden Orten von 25km auf 4,2km. Hinter Cochem setzten die Landfrauen mit einer Seilfähre auf das linke Moselufer über nach Klotten und radelten über Pommern und Müden nach Moselkern unterhalb der Burg Eltz. Die Pause reichte für einen Eindruck von diesem kleinen Ort an der Mündung der Elz in die Mosel, nicht aber für einen Besuch der 4km entfernten Burg Eltz. Ein Stück weiter liegt oberhalb des linken Moselufers die Burganlage Bischofstein zwischen Moselkern und Löf auf einem Felsensporn. Sie wird von einem Krefelder Gymnasium als Landschulheim genutzt. In Löf überquerten wir die Mosel auf einer Brücke und erreichten am rechten Moselufer den heutigen Zielort Alken. Oberhalb von Alken steht die Burg Thurant, deren Besonderheit ihre zwei runden Türme sind. Die Bischöfe von Mainz und Trier konnten sich nicht auf einen Turm einigen.

 

Wie fast alle Orte an der Mosel besticht auch Alken mit seiner Architektur. Das Erdgeschoss ist fast immer gemauert mit dem örtlichen Felsgestein und darauf schließt sich ein Stockwerk aus weißem Putz oder Fachwerk mit weißen Fächern an. Alle Dächer im Moseltal sind gedeckt mit Schieferschindeln. Besonders auffällig sind die Dächer der Gauben. Sie sind hochgezogen zu einem vier- oder sechseckigen Türmchen und einer Spitze mit Kugel darauf. Bei Häusern ohne Gaube befindet sich an der Giebelspitze eine solche Verzierung.

 

Der Bus holte die Bramscher Landfrauen in Alken ab zum Hotel in Ellenz, wo im Anschluss an das Abendessen eine Weinprobe auf dem Weingut von Thomas Basten stattfand. Die Landfrauen erhielten viele Informationen über die Weinherstellung, die sachgerechte Lagerung von Wein und die richtige Kombination von Wein und Essen.

 

Am Donnerstag, dem 04. 07. brachte der Bus die Reisegruppe einschließlich der gepackten Koffer nach Löf. Auf dem linken Moselufer radelten die Teilnehmer(innen) Richtung Moselmündung in den Rhein am Deutschen Eck. In der Nähe von Kobern-Gondorf radelte die Gruppe unter der Oberburg hindurch, die auf einer Landzunge über die Straße gebaut worden ist und sich im Besitz der Familie Von der Leyen befindet. In Kobern führte der Radreiseleiter die Gruppe mitten durch den Ort, vorbei an einer langen Reihe gleicher Häuser im schon beschriebenen Baustil. Nahe Koblenz überquerte die Gruppe die hier schon sehr breite Mosel auf einer Brücke und gelangte fernab vom Stadtverkehr auf dem rechten Moselufer das Deutsche Eck und damit das Ziel der Radreise nach 25km. Hier wurde eine mit Steinblöcken gesicherte Landzunge geschaffen. Auf dem Gelände befindet sich neben dem Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm dem ersten das Museum Ludwig und das Museum für zeitgenössische Kunst . 1953 wurde das Denkmal von Theodor Heuss seiner Bestimmung als Mahnmal für die Deutsche Einheit übergeben.

 

Hinter dem Deutschen Eck Richtung Altstadt gibt es einen Wasserspielplatz für kleine Kinder, der bei dem schönen Sommerwetter großen Zuspruch fand. Etwas weiter Altstadt befindet sich eine hohe Felssteinmauer mit Durchgang. Dahinter befinden sich das Museum Ludwig und die Kirchenanlage der Basilika St. Kastor, die von einem farbenprächtigen Blumenhof eingerahmt wird. Die Basilika ist das älteste Kirchenbauwerk der Stadt Koblenz.

 

Um 14 Uhr traten die Bramscher Landfrauen die Heimreise an nach vier Tagen Radeln bei herrlichem Sommerwetter zwischen Weinbergen und Burgen und waren dank des erfahrenen Busfahrers Bernd Morgen um 20 Uhr wohlbehalten zurück in Bramsche.

 

In der Gartenstadt unterwegs

 

Bramscher Landfrauen radeln in Bramsche östlich von der Hase

 

In jedem Jahr erkunden die Landfrauen einen Ortsteil von Bramsche mit dem Fahrrad. Am 25. Juni fanden sich trotz der großen Hitze fast 30 Landfrauen am Hallenbad ein, um sich unter der Leitung von Vertrauensfrau Gisela Bei der Kellen über die Bramscher Gartenstadt zu informieren. Beim ersten Halt an der Grundschule im Sande, wie auch an den späteren Stopps erzählte Gisela Bei der Kellen einiges aus der jüngeren Geschichte dieses Ortsteils. So entstand aus der ehemaligen Klimoop School für die Kinder der holländischen NATO-Soldaten die heutige Grundschule im Sande am Westfalenring, auch als Ersatz für die Gartenstadt-Schule, in der heute die VHS zuhause ist. Außerdem gibt es in der Gartenstadt vier Kindergärten, den im Sande, am grünen Brink, an der Elbestraße und an der Geschwister-Scholl-Str..

 

 

Auf dem Westfalenring radelte die Gruppe vorbei an der Heilig-Geist-Kirche in die Webergasse hinein. Die Namensgebung erklärte Gisela bei der Kellen: In der Nachkriegszeit versuchte die Firma Sanders Weber anzuwerben und lockte sie mit dem Wohnen in Einfamilienhäusern nach Bramsche. Später konnten die Häuser von den Webern käuflich erworben werden, was von vielen genutzt wurde. Somit gibt es heute in der Webergasse eine ganze Reihe kleiner, sehr gepflegter Häuser im Baustil der damaligen Zeit, so dass sich die Landfrauen dahin zurückversetzt fühlen konnten.

 

 

Am nächsten Ziel, der Johanneskirche, erwartete Pastor Markus Unter der Weide die Landfrauen, um sie vorzustellen. Die noch junge Geschichte der Kirche begann 1960 mit der Grundsteinlegung und wurde nach nur einem Jahr Bauzeit eingeweiht. Anfang 1962 wurde die Kirchengemeinde St. Johannes gegründet und ist heute zur zweitgrößten Gemeinde im Kirchenkreis angewachsen. Benannt wurde sie nach dem Evangelisten Johannes. Der Kirchenschmuck bezieht sich demnach auf das Johannes-Evangelium, z. B. mit einer Kachel, die als Altarschmuck dient und Jesus als Lamm Gottes darstellt, mit dem großen Holzkreuz, das weniger das Leiden Christi , sondern Jesus als Verbindung zu Gott verkörpert und mit der Gestaltung der Fenster, die Szenen aus dem Johannes-Evangelium zeigen. Die Kanzel ist verziert mit den Symbolen der vier Evangelisten.

 

 

Am von Gisela Spengler geschaffenen Denkmal zu Ehren der Zwangsarbeiter und Flüchtlinge und deren verstorbener Kinder erinnerte der Pastor an die traurige Vergangenheit des Ortes, wo zur NS-Zeit Baracken standen. Auf dem Sockel des Denkmals lag zwischen den Füßen der Skulpturen eine Handvoll frisch gepflückter Kirschen. Das war sehr berührend, als wollte jemand denen etwas schenken, die damals nichts hatten.

 

 

Auf der Tannenstraße radelten die Landfrauen geradeaus in die Marie-Juchacz-Straße. Auf dem Gelände des Hansaplatzes gab es früher einen Schuttplatz und später einen Kirmesplatz. Heute befindet sich dort eine Altenwohnanlage. Durch die Karlstraße, u. A. vorbei an den Industriegebäuden von ehemals Lacroix und Kress und heute Nexans, ging die Rundfahrt weiter durch die Weißenburgstraße auf den Burggartenweg und von dort ins Hasetal. Den Abschluss bildete ein Kaffeetrinken im Wülkerhus.

 


Besuch im Kultkino Querheim


Ein Ausflug in die Region östlich vom Dümmer

 

Bramscher Landfrauen besuchen einen Bauerngarten, eine Tortenschmiede und eine Molkerei

 

 

64 Bramscher Landfrauen machten sich auf den Weg nach Drebber und besuchten den Bauerngarten von Susanne Teschner in Cornau. Der Garten ist aufgeteilt in drei Bereiche: Es gibt einen Gemüsegarten, einen parkähnlichen Ziergarten und einen Klärteich. Im Ziergarten erregte eine Trauerulme die besondere Aufmerksamkeit der Landfrauen. Die Ulme mit ihrer schirmähnlichen Blätterkrone hatte Susanne Teschner zu ihrer Hochzeit geschenkt bekommen. Im Laufe der Jahre hat sie beobachtet, dass „dieser Baum die Höhen und Tiefen ihrer Besitzer miterlebt“, so die Gärtnerin. Bemerkenswert waren auch die vielen verschiedenen Sorten noch blühender Lenz-oder Christrosen im Ziergarten.

 

 

Nach dem Kaffeetrinken in der Tortenschmiede der Familie Dannhus in Lembruch erlebten die Bramscher Landfrauen eine Führung durch die Siebenhäuser Molkerei in Rehden. Den Namen hat die Molkerei vom Dorf, das um 1900 aus sieben Häusern bestand. Mitarbeiterin Anna Cyriax schilderte zunächst die wechselvolle Geschichte des Gebäudes, in dem von 1900 bis 1978 produziert, dann als Flüchtlingsunterkunft genutzt und schließlich von der Familie Johanning erworben wurde. Das Gebäude wurde entkernt und dabei darauf geachtet, dass es seinen Charme behielt. Es enthält eine gläserne Produktionshalle, so dass auch während des laufenden Betriebes die Produktion verfolgt werden konnte. Das Gebäude besitzt zwei Stockwerke, aber vier Ebenen mit Schulungs-, Führungsraum sowie Besichtigungsmöglichkeiten und Büroräumen.

 

 

Im weiteren Verlauf stellte Anna Cyriax den Bramscher Landfrauen das Konzept der Siebenhäuser Molkerei vor. Beliefert wurde die Molkerei aus der Nachbarschaft vom Milchhof Johanning. Auf dem Hof leben 120 Milchkühe, die neben dem Weiden auf 120ha Land u. a. mit zu Pellets verarbeiteten Bohnen und Erbsen als Kraftfutter versorgt werden. Die Anbauflächen für das gentechnikfreie Futter liegen in der Nähe und werden mit Mineralstoffen und Salzen ergänzt. Die Pellets werden als Lockfutter benutzt, damit die Kühe zum Melken in den Stall kommen, den sie dann wieder jederzeit auf die Weide verlassen können.

 

 

Im Folgenden stellte Anna Cyriax den Landfrauen das Konzept des Betriebes vor. In der Siebenhäuser Molkerei wurde die Milch pasteurisiert und dann weiter verarbeitet zu Joghurt, Quark, Frischkäse und festem Schnittkäse. Bei der Verarbeitung wurde größter Wert auf Tradition, Handwerklichkeit und Naturbelassenheit gelegt. Der Liefer-Umkreis betrug ca. 60km.

 

 

Leider erfolgte vor Kurzem die Einstellung der Produktion wegen zu hoher Personalkosten, die der Schwerpunkt auf Handwerklichkeit mit sich brachte. Da die Milch des Lieferanten Johannishof immer einen Fettgehalt von 3,5% - 3,8% hatte, wurde keine Buttermilch und Butter hergestellt. Die Siebenhäuser Molkerei belieferte 52 Märkte, darunter auch REWE, Bünting und Edeka. Die Lieferung erfolgte immer dienstags und freitags auf Bestellung und nicht über die Zentrale wegen der beschränkten Haltbarkeit. Den Milchbedarf für die verschiedenen, nicht mehr hergestellten Produkte verdeutlichte Anna Cyriax den Bramscher Landfrauen wie folgt: aus 10 ltr. Milch erhält man 10 ltr. Joghurt, 4 kg Frischkäse, 3 kg Quark oder 1 kg Schnittkäse.

 


Gesine Lange spricht bei den Landfrauen

 

 

 

Bramsche/Rieste. Tiefe Einblicke in das Leben in der ehemaligen DDR von Gesine Lange, Tochter des ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck, bekamen die Frauen vom Bramscher LandFrauenverein. Lange sprach am Samstagvormittag beim gemeinsamen Frühstück der Landfrauen in der Alten Küsterei in Rieste.

 

 

 

Gut zwei Stunden nahm Gesine Lange die Zuhörerinnen mit auf eine Reise, die nicht nur in die Vergangenheit führte, sondern auch in eine Welt, die Menschen, die im Westen Deutschlands geboren und aufgewachsen sind, weitgehend unbekannt ist.

 

 

 

Als sie 1967 geboren wurde, sei ihr Vater gerade erst mit dem Theologiestudium fertig gewesen, erzählte Gesine Lange. Zwei Brüder waren damals schon auf der Welt, ganz normal in der DDR, in der viele Paare früh Eltern wurden. Eine kleine Schwester sei später noch geboren worden. Ihre Mutter habe als Buchhändlerin gearbeitet, und so sei sie, da sie weder eine Krippe noch einen Kindergarten besuchte, viel bei den Großeltern gewesen. An ihre ersten Lebensjahre hat Gesine Lange viele gute Erinnerungen. In Güstrow, wo der Vater seine erste Pfarrstelle bekommen habe, habe die Familie in sehr einfachen Verhältnissen gelebt. Kein fließendes Wasser, ein Plumpsklo und heizen mit einem Kohleofen – also kein Luxus, aber für die Kinder, die im Garten und in der Natur spielen konnten, viel Freiheit. Der Vater habe verhältnismäßig wenig verdient, und so seien die finanziellen Möglichkeiten begrenzt gewesen. Aber trotz viel Arbeit, die beide Eltern leisten mussten, hätten sie für die Kinder Zeit gehabt. „Es wurden Bücher gelesen, es wurde gebacken, man hat viel gemacht mit den Kindern.“

 

 

 

Gesine Lange vermutet, dass ihr die Erinnerungen der ersten Lebensjahre wie ein wertvoller Schatz im Gedächtnis sind, weil danach ein Umzug nach Rostock kam. Und dort sei es bei weitem nicht so schön und so gut gewesen. Ein Plattenbau, hochmodern mit fließend Kalt- und Warmwasser und eine Zentralheizung, dafür drum herum keine Natur, kein Garten, nur grau in grau. Ihr Vater habe eine evangelische Gemeinde ganz neu aufgebaut, mit Erfolg. Allerdings habe er sehr viel gearbeitet, wohl wie ein Workaholic.

 

 

 

An ihre Schulzeit hat Gesine Lange keine guten Erinnerungen. Als Pastorentochter sei sie von den Lehrern immer wieder ausgegrenzt worden, und viele Lehrer hätten ihre Abneigung spürbar gezeigt. Als Sigmund Jähn, der erste Deutsche, 1978 in den Weltraum geflogen war, sei sie in der Schule gefragt worden, wo Gott denn sei. Sigmund Jähn hätte ihn nicht gesehen. Ihr Vater habe sie aber gut vorbereitet, erklärte Gesinde Lange. Mit der Antwort, dass man Luft und Liebe auch nicht sehen könne, es sie trotzdem aber gebe, habe die Lehrerin nicht gut umgehen können. In der Folge habe sie in der letzten Reihe stehen oder sitzen müssen, und Mitschüler wussten, dass es nicht gut ist, sich zu viel mit Gesine abzugeben. Echte Freunde, die ihr zur Seite gestanden hätten, habe sie in der Schule nicht gehabt.

 

 

 

In der Schule habe man eine ganz neue Sprache gelernt. Das „Brudervolk“ sei Russland gewesen, der „Antifaschistische Schutzwall“ war die Mauer, die Deutschland teilte. Für sie selbst habe das bedeutet, dass sie quasi bilingual erzogen wurde: Eine Sprache für die Schule, eine für Zuhause. Dazu gab es die richtigen Lieder, die die Kinder politisch auf den „richtigen“ Kurs bringen sollten. Und überall habe es Helden gegeben, wie den Astronauten Jähn und die „Helden des Alltags“, über die man schon als Kind in der Vorschule gelernt habe. Man habe sich dem nicht entziehen können. Zuhause hingegen sei immer frei gesprochen worden, auch gestritten. Da die Familie eine Tante im Westen hatte und ihr Vater auch im Westen gewesen war, sei er besser informiert gewesen als andere. Und als später in der Schule geübt wurde, wie man sich beim Abwurf einer Atombombe verhalten müsse und wie man sich eine Gasmaske bastelt, da habe ihr Vater sie beruhigen können, das auf der anderen Seite der Mauer niemand schießen wolle.

 

Selbst Schüler seien damals bespitzelt worden, erklärte sie. Ein junger Lehrer, der Jeans trug und Gitarre spielte und den alle Schüler sehr mochten, habe Berichte für die Stasi geschrieben. Aus ihrer Stasi-Akte, die sie mitgebracht hatte, geht hervor, dass man vermutete, die Schule werde von der Kirche unterwandert. Sie habe den Lehrer auf einem späteren Klassentreffen wiedergetroffen und ihn gefragt, warum er das getan habe. „Aber das machten doch alle, und ich habe euch nicht geschadet“, sei seine Antwort gewesen. Als Gesine Lange davon erzählt, spürt man ihre  Enttäuschung, dass sich dieser Mann nicht einfach dafür entschuldigt hat.

 

 

 

Berührend waren Gesine Langes Schilderungen des Jahres 1989, als viele Menschen die DDR verließen und dann schließlich im November die Mauer fiel. An diese Freude und diesen Enthusiasmus müssen sich die Deutschen immer erinnern, wünschte sie sich. Ihr Vater habe damals gesagt, dass Freiheit schön sei, aber Befreiung sei noch schöner.

 

 

 

Wenn heutzutage Kritik geübt werde, sei das in Ordnung, aber die Deutschen würden auch gerne meckern, und eben nicht immer zu Recht. Wichtig ist Gesine Lange, dass man selbst aktiv wird. Sich informieren und klug machen, Kritik üben und Teil der Lösung werden, ist ihre Devise. Aber genau das müssten die Menschen auch heute üben, sagt sie. „Jedes Land, jedes Leben und jede Zeit hat ihre Aufgaben.“

 

 

 

Mit ihrer Geschichte ist Gesine Lange in ganz Deutschland unterwegs, auch in Schulen. Manche würden die Zeit der DDR verklären, es sei doch damals so schlecht nicht gewesen, höre sie oft. Die Gängelei der Bürger, und dass viele, die das nicht akzeptieren wollten, darunter wirklich zu leiden hatten, daran wollten viele Menschen nicht mehr denken. Deshalb kämen ihre Vorträge nicht überall gut an. Dennoch bleibe sie am Ball. „Das Thema darf man nicht zu gering behandeln“, erklärte sie. Und deshalb ist ihr wichtig, dass man darüber spricht, wie es war. Und dass man bei Wahlen seine Stimme abgibt, denn zu lange hatten die Menschen in der DDR keine Wahl.

 

 

 

 

 

Foto und Text: Sigrid Schüler

 

Gesine Lange brachte Bücher aus ihrer Schulzeit mit, in denen den Kinder Freund und Feind erklärt wurden

 

 

 

 


Frühlingslieder bei Frühlingswetter

 

 

Dominik Ortner und die Bramscher Landfrauen begrüßen den Frühling

 

 

Im Heimathaus in Achmer trafen sich 43 Bramscher Landfrauen zum gemeinsamen Singen mit dem Akkordeonspieler. Wie schon in den vergangenen Jahren sorgten die Achmeranerinnen Hanna Larberg, Anneliese Droste und Dörte Gerding für das leibliche Wohl mit Weggen, Käse und Schinken. So gestärkt und von Dominik ausgerüstet mit Liedertexten sangen die Landfrauen fleißig und gekonnt zur Begrüßung des Frühlings Lieder, wie z. B. „Im Frühtau zu Berge“ oder „Tulpen aus Amsterdam“. (In den Gründungsjahren hatten die Bramscher Landfrauen sogar einen eigenen Chor!) In den Gesangpausen spielte der Musiker auf seinem Akkordeon eigene Kompositionen, die im August nächsten Jahres auf seiner neuen CD zu hören sein werden. Zum Schluss durften die Landfrauen noch viele Liederwünsche äußern, die Dominik Ortner ihnen gerne erfüllte.

 


Kaffeegenuss vom Feinsten

Bramscher Landfrauen besuchten die Kaffeerösterei Joliente

 

 

Auf eine gedankliche Reise um die Welt in Äquatornähe nahm Henning Schmidt die fast 60 Bramscher Landfrauen mit auf einer Führung durch die Kaffeerösterei im Niedersachsenpark.

 

 Das Hauptanbaugebiet für die Kaffeepflanze westlich von uns ist Brasilien. Das Land exportiert jährlich über 30 Millionen Säcke zu 60kg. Weitere Lieferanten sind die Länder Mittelamerikas. Folgt man dem Äquator nach Osten, werden mit Ostafrika, Indien, Vietnam, Indonesien und Hawaii alle kaffeeexportierenden Länder erreicht.

 

Am Kaffeestrauch wächst als Frucht die Kaffeekirsche, die gepflückt und getrocknet wird. Im Inneren der Kirsche befinden sich in der Regel zwei Kaffeebohnen. Diese Rohkaffeebohnen werden an der Börse gehandelt.

 

Nach Deutschland wird er in den meisten Fällen über Hamburg importiert, wo er in 60kg-Säcken gelagert wird und per Bestellung abgerufen werden kann. Die Landfrauen nutzten die Gelegenheit, an verschiedenen Rohkaffee-Sorten zu riechen. Allerdings erfordert es einen feinen Geruchssinn, um in dem überwiegend erbsenartigen Geruch der verschiedenen Rohkaffee-Sorten einen Unterschied festzustellen.

 

Die beliebtesten und bekanntesten Kaffeesorten sind Arabica und Robusta. Arabica ist die im Geschmack mildere und weichere Sorte. Sie liegt im Preis höher, was u. a. daran liegt, dass die Pflanze in Bodenqualität und Höhenlage anspruchsvoll ist. Sie fühlt sich erst wohl ab einer Höhe von ca. 1200m ü. NN, was die Ernte der Kirschen mühselig und aufwendig macht. Robusta ist weniger anspruchsvoll und liegt deshalb im Preis niedriger.

 

Bei Joliente findet der Röstvorgang in einer Trommel statt. In der Trommel bleiben die Kaffeebohnen permanent in Bewegung und werden mit heißer Luft umströmt. Diese schonende und langsame Art des Röstens nennt man auch traditionelle Langzeitröstung.

 

Überwacht wird der Röstvorgang von Röstmeister Kai Keller. Er gab den Landfrauen Gelegenheit, anhand von Geruchs- und Farbveränderungen den Vorgang zu verfolgen. Zuerst wird den Kernen das Wasser entzogen, dann die in ihnen enthaltenen Zuckermoleküle gespalten, die Kerne werden süß und riechen malzig. Dann erfolgt die eigentliche Röstreaktion. Ein Röstvorgang von über 15 Minuten Dauer macht den Kaffee besonders mild und aromatisch. Beim Rösten werden bis zu 800 verschiedene Aromen entwickelt und freigesetzt, denn durch die heiße Luft in der Trommel dehnt sich das Kerninnere aus und bricht den Kern auf. Aus 12kg Rohkaffee werden ca. 10kg Röstkaffee, aus dem ca. 1200 Tassen Kaffee hergestellt werden können.

 

Nachdem die Landfrauen verschiedene Kaffeesorten mit Genuss verkostet hatten, wies Henning Schmidt noch auf eine ganz besondere Sorte Kaffee hin, den Kopi Luwak. Eine indonesische Schleichkatzenart, die Fleckenmusangs, fressen Kaffeekirschen und scheiden sie unverdaut wieder aus. Der aus den ausgeschiedenen Kirschkernen zubereitete Kaffee ist der teuerste der Welt. Der Kopi Luwak kostet bis zu 1000$ pro kg.

 


Der Insekten-freundliche Hausgarten

Gärtnermeisterin Karin Müller informiert die Bramscher Landfrauen

 

Warum muss etwas getan werden?

 

Mittlerweile wird die Hälfte unseres Bodens landwirtschaftlich genutzt. Hinzu kommt eine ständig zunehmende Versiegelung des Bodens, u.a. durch Bebauung und Pflasterung. Die Folge davon ist eine Abnahme der Insektenmasse um 70%. Eine fehlende Bestäubung durch Insekten bedeutet eine Reduzierung von Lebensmitteln. Deshalb sollte jeder, der die Möglichkeit dazu hat, auf Versiegelung verzichten und seinen Boden mit Blühendem bepflanzen, um so für Nahrung und Lebensräume für Insekten zu sorgen.

 

Im weiteren Verlauf ihres Vortrages schildert die Referentin als Expertin für Stauden die über 50 Landfrauen, welche Pflanzen sich besonders gut für einen insektenfreundlichen Garten eignen. Vor allem ist darauf zu achten, dass es Nahrung für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge u. s. w. nicht nur im ersten Halbjahr gibt, sondern bis weit in den Herbst hinein. Bei der Pflanzenwahl sollten die Gartenbesitzer darauf achten, dass die Insekten auch an den Blütenstaub und Pollen herankommen. Denkbar ungeeignet sind also gefüllte Blüten.

 

 

Was kann im eigenen Garten unternommen werden?

 

Im Folgenden stellt Karin Müller die Lebensräume der Insekten vor. Als hilfreich sieht sie ein von Menschen eingerichtetes Insektenhotel an, wobei auf verschiedene Materialien zum Bewohnen und Ausreichendes und Geeignetes zum Verschließen zu achten ist. In der Nähe sollten Futterpflanzen wie z. B. Duftnessel, Lavendel oder Sommerflieder angesiedelt sein. Abgestorbene Bäume, eine Totholzhecke oder einfach eine Buschhecke, die nicht ausgeräumt wird, bietet Lebensraum für Kleingetier. Sinnvoll ist ihrer Meinung nach auch ein kleiner Tümpel.

 

 

Für etwa 350 Arten von Wildbienen ist die Heimat der lockere, sandige Boden

Ihren Lebensraum zu erhalten ist die Hauptaufgabe der Hausgartenbesitzer. Gut geeignet dafür sind z. B Blumenwiesen oder Mischpflanzungen von Stauden mit gleichen Standortbedingungen. Wenige hohe und ein paar mehr halbhohe Stauden bieten zusätzlich ein optisch günstiges Bild. Dazwischen eignet sich Thymian als Bodendecker. Bei der Auswahl der Stauden spielen auch die Blühzeiten eine große Rolle, denn die Wildbienen sollen ja über eine möglichst lange Zeit im Jahr ausreichend und bequem Futter finden.

 

 

Auf die Frage, was wir tun können, um dem Insektenrückgang entgegen zu wirken,

nennt die Referentin zusammenfassend:

 

  • Grundsätzlich abzulehnen sind in diesem Zusammenhang pflegeleichte Splitgärten, weil sie durch die Bodenabdeckung den Insekten keinen Lebensraum bieten
  • Heimische, insbesondere nektar- und fruchtbildende Pflanzen anbauen und dabei auf Vielfalt achten
  • Insekten und Kleintieren Lebensraum schaffen durch einjährige Blühpflanzen und mit Stauden
  • Hilfreich sind auch Gehölze wie z. B. Sanddorn, Schlehe, Weißdorn, Holunder, Hartriegel, Hainbuche

 

Foto und Text: LandFrauen Bramsche


Bramscher LandFrauen - Vor dem Theater